Der Klassiker #5 – London Calling
20 Okt 2008
The Clash – London Calling
VÖ: Dezember 1979 (Epic Records)
Es gibt ja diese Phrase die Klassikern der Musikgeschichte gerne schnell ans Hemd geheftet wird. „London Calling“ ist ein Ding, an dem dieses Etikett so fest haftet wie bei nur wenigen anderen Veröffentlichungen. Darf in keiner Sammlung fehlen!
Ende der siebziger Jahre, als der Punk begann von England aus die Welt zu erobern, brachte die musikalisch wohl einflussreichste Punkband The Clash ein Album raus, welches eigentlich so gar nicht richtig Punk ist. „London Calling“ ist eine Sammlung kreativen und facettenreichen Songwritings, welches von Rockabilly über Ska bis Reaggea reicht, angereichert mit Pop- und Punk- und sogar Jazzelementen, aber dennoch zu jedem Zeitpunkt eine klare Linie erkennen lässt. Was für eine Leistung!
„London Calling“ wurde bis heute ca. 2 Millionen mal verkauft und errreichte damit mehrfachen Platinstatus. Außerdem ist ein Doppelalbum, welches allerdings für den regulären Albumpreis verkauft wurde. Natürlich gegen den Willen des Plattenlabels. Der Rolling Stone hat das Album auf Platz 8 der 500 größten Alben aller Zeiten gewählt.
Das berühmte Cover zeigt Bassist Paul Simonon wie er seinen Fender Precision Basses zerstört (heul, wie gerne hätte ich einen) . Das Foto wurde im September 1979 während der Clash „Take the Fifth-Tour“ gemacht. Die Typographie ist übrigens Elvis’ selbstbetiteltem Debutalbum entnommen.
Der Klassiker #4 – Korn
12 Sep 2008
Korn – Korn
VÖ: Oktober 1994 (Immortal/Epic)
„Are you ready?“ Mit diesen Worten eröffneten Korn 1994 ihr erstes Album. Wie bedeutungsschwanger diese Worte damals wirklich waren, lässt sich nur rückblickend bewerten. Denn mit ihrem unglaublichen Debut haben Korn nicht nur einen Meilenstein in die Musiklandschaft gesetzt, sie haben nichts geringeres getan als die Tore zu einem neuen Subgenre aufzustossen, die einschlägige Presse erfand dafür den Namen „Nu Metal“.
Denn Bands wie z.B. Deftones, Limp Bizkit, Coal Chamber, Slipknot, Linkin Park und Mudvayne hätten ohne den selbstbetitelten Erstling von Korn wohl nicht die gleiche Popularität erfahren, oder würden vielleicht gar nicht existieren.
Das unglaublich präzise und kreative Zusammenspiel aller Instrumente bildet die tragende Säule des Album. Der Gesang, pendelnd zwischen winselndem Wahnsinn und keifender Aggression, unterstrichen durch die brüllenden und steinharten Riffs der Gitarren und in Bewegung gerbracht durch die komplexen Rhythmen von geslapptem Bass und knochentrockenem Schlagzeug. All das war in dieser Form seiner Zeit um Jahre voraus… Gepaart mit den verstörenden und direkten Texten ergab das Gesamtkunstwerk eines der wichtigsten Alben der neunziger Jahre, welches auch mit einer doppelten Platinauszeichnung kommerziell sehr erfolgreich war.
Fast jeden Musikliebhaber mit Hang zu härteren Kram begeisterte damals dieses energetische Gemisch von Heavy Metal, Alternative, Funk und ja, ähh. Ich weiss noch, meine Eltern fanden das nicht so dolle… ^^
Der Klassiker #3 – Stranger Than Fiction
22 Aug 2008

Bad Religion – Stranger Than Fiction
VÖ: September 1994 (Atlantic Records)
„Stranger Than Fiction“ wurde 1994 als erstes Album von Bad Religion auf einem Majorlabel (Sony/Atlantic Records) und stellt bis heute den grössten kommerziellen Erfolg der Band dar. Bekannte Musiker wie Tim Armstrong (Rancid), Jim Lindberg (Pennywise) und Wayne Kramer (MC5) sind als Gastmusiker vertreten und es ist bis 2001 die letzte Veröffentlichung mit Gitarrist Brett Gurewitz gewesen.
Mit „21st Century Digital Boy“ enthält das Album auch einen überarbeiteten Song aus früheren Zeiten, der zumindest während meiner Jugend in jeder vernünftigen Indiedisco (gibts die überhaupt noch?) rauf und runter gespielt wurde.
Das Rätsel um den grossen Erfolg ist eigentlich schnell gelöst… Die achte Platte der Band aus L.A. präsentiert echten Punkrock, jedoch ohne simpel und eintönig zu klingen und wartet mit intelligenten Gesellschaftkritiken auf, die teilweise lyrische Qualität erreichen. Diese Mischung stellt wohl Fans des Punkrocks zufrieden und zieht gleichzeitig Hörer aus weniger speziellen Musikrichtungen an.
Und natürlich weil auf „Stranger Than Fiction“ ein Knaller den Nächsten jagt. Es ist ganz einfach so, daß man sich am Ende eines Songs direkt auf den nächsten freut. Oder kann mir jemand einen Song nennen, der zu unrecht auf diesem Album geladet ist? Bad Religion zelebrieren ganz einfach Punkrock auf höchstem Niveau und schaffen es in jedem Song eine Spannung aufzubauen, die der Hörer nur abbauen kann, in dem er die Musik zelebriert, mit dem Zeigefinger die musikalischen Highlights in der Luft markiert, Texte mitsingt, auf dem Tisch trommelt und die Soli mit den Schneidezähnen auf der Unterlippe auf seiner Luftgitarre die imaginären Saiten anschlägt. Die Spannung der Songs, die Geschwindigkeit und Energie, die Symbiose von außergewöhnlichen Texten mit dem für Punkrock anspruchsvollem Songwriting machen.
Denn wer kann schon solchen Perlen wie „Incomplete“, „The Handshake“, „Infected“ und „Hooray For Me“ widerstehen? Die meisten Bands bringen Songs dieser Qualität vielleicht ein-, zweimal in ihrer Karriere zustande und Bad Religion, die Teufel, haben ein ganzes verdammtes 17 Songs umfassendes Album damit gefüllt. Diese 17 Songs hauen mit der Faust auf den Tisch, und danach ist Ruhe im Karton! Diese 17 Songs sind zu diesem Zeitpunkt die Essenz des Punkrocks. Diese 17 Songs bilden eindeutig einen Klassiker wie er im Buche steht…
Der Klassiker #2 – Relationship Of Command
28 Nov 2007
At The Drive-In – Relationship Of Command
VÖ: September 2000 (Grand Royal Records)
Himmel hilf! Was war ich süchtig nach diesem Album, über Wochen habe ich nichts anderes gehört, nachdem ich dem Ding zum ersten Mal mein Ohr lieh. Auch heute noch höre ich das dritte und letzte Album von At the Drive-In am liebsten 3-4 mal hintereinander und bin immer wieder regelrecht entzückt.
Zwar konnte „Relationship Of Command“ nachhaltig keine Musikgeschichte schreiben, da es doch zu weit von den üblichen Konventionen entfernt ist und sich in einem eigenen Mikrokosmos bewegt. Dennoch ist es eine Ikone, die jeder Gitarrenfetischist in seiner Sammlung haben muß!
Was dieses Album so besonders macht, wollt Ihr wissen? Es ist diese unglaubliche Energie vor der dieses Album so strotzt. Jeder einzelne Takt legt eine Zündschur ins Gehirn und lässt dort irgendwas mit einer Wucht explodieren, die die Beine und Hände zappeln lässt. Ohne Scheiss! Es ist die wahre Wonne…
Die Songs sind in sich schon so vielfältig, daß man sich fragt wie eine Band es schaffen kann derart kreativ zu sein ohne dabei den roten Faden zu verlieren, der sich durch das ganze Album schlängelt, zuckt und dreht. Hier findet man keine Routine, denn At The Drive-In sind Ihre eigene Schablone. Musikalisch auf höchstem Niveau verschachtelt die Band aus Texas Rhythmen, Melodien und seltsame Klänge, daß einem der Unterkiefer runterklappt. Ohne Scheiss! Es ist die wahre Wonne…
Bei einem Werk dieser Güte gibts keine Highlights zum rauspicken. Jeder Song, aber wirklich jeder Song, weist nicht die geringste Schwäche auf. Wie ich schon verdeutlicht habe, strotzt die Scheibe nur so vor Kraft und kommt nur in den Stücken „Quaratined“, „Invalid Letter Dept.“ und „Non-Zero Possibility“ zur Ruhe. Manche Songs wiederum knüppeln sich durch die Takte, aber ohne jemals platt zu wirken, z.B. „Mannequin Republic“. Andere warten zwischendurch mit überraschenden Singalongs auf oder verfallen in kurze Ruhephasen um dann wieder zu explodieren. So zum bei Beispiel „Cosmonaut“, meinem Lieblingstrack. Ohne Scheiss! Es ist die wahre Wonne…
Nicht unerwähnt sollten auch die zwei Gastauftritte von Punkrockveteran Iggy Pop bleiben. Am Anfang von „Enfilade“ spricht er den Kidnapper und bei „Rolodex Propaganda“ gibt er die Back-Up-Vocals zum besten.
Das Album hat aber auch einen bitteren Beigeschmack. At The Drive-In befanden sich gerade auf Tour als der kommerzielle Erfolg urplötzlich auf sie einstürzte, woran die Band schließlich zerbrach. Tausende statt Hunderte Besucher je Konzert, Interviewanfragen am laufenden Band und Dauersendung auf MTV war zuviel und so wurde die Tour in Deutschland unterbrochen. Kurze Zeit später gab die Band ihre Auflösung bekannt…
Der Klassiker #1 – Sparkle & Fade
02 Nov 2007
Everclear – Sparkle & Fade
VÖ: Mai 1995 (Capitol Records)
Wir schreiben das Jahr 1995 als der grosse Knall namens „Grunge“ nur noch als Echo zu vernehmen ist und der noch recht frische Begriff „Alternative“ darauf wartet musikalisch geprägt zu werden. 1995 erscheint auch das zweite Werk der Band Everclear. „Sparkle & Fade“ heisst es, und ist nicht unbedingt eines der Alben ohne die die Geschichte der Gitarrenmusik eine andere wäre. Aber es ist ganz bestimmt eines der besten Alben der neunziger Jahre überhaupt und heute ein Klassiker des Alternative Rock.
Sparkle & Fade ist kein aufwändiges Album und auch kein musikalisches Schwergewicht, aber es ist locker und macht unheimlich viel Spaß. Für ein Alternative-Album hat dieses hier schon ein recht punkiges Flair, aber gerade deshalb scheint diesem Album die Sonne quasi aus dem Allerwertesten. Es ist eine dieser Scheiben die man an einem Stück hört und gegen Ende des einen Songs schon an die Hook des nächsten denkt. So soll es sein! Deshalb ist es auch recht müßig irgendwelche Songs herauszupicken, denn ohne Tiefpunkte gibt ein einfach keine Highlights. Glaubste nich?! Is aber so, wir reden hier ja von einem Klassiker. Klare Melodien, phantastische Dramaturgien und die Songs sind alle schon in sich abwechslungsreich. Keine Langeweile und immer treibend aber nie übertreibend sind die grossen Qualitäten dieses Albums, welches auf Capitol Records veröffentlicht wurde.
Der Song „Santa Monica“ war übrigens die zweite Auskopplung aus „Sparkle & Fade“ und der Song, der Everclear zum Durchbruch verhalf. Zumindest drüben in Amiland, in Europa konnten sie nie so recht Fuß fassen. Weiß der Teufel warum… Die anderen Auskopplungen waren „Heroin Girl“, „Heartspark Dollarsign“ und „You Make Me Feel Like A Whore“. Auf dem Cover sind übrigens Kinderbilder der drei damaligen Bandmitglieder zu sehen: Bassist Craig Montoya, Gitarrist und Sänger Art Alexakis und Drummer Greg Eklund (v.l.n.r.).
An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, daß „Sparkle & Fade“ über Amazon für einen geradezu lächerlichen Preis von 1,99 Euro angeboten wird. Wer das Teil noch nicht in seiner Sammlung hat, sollte an dieser Stelle unter allen Umständen zuschlagen! Hier klicken um einzukaufen.

